Beiträge

Brennpunktberuhigung

Der Felix Stadler hat sich angeschaut, was englische Schulen unternehmen, um bessere Ergebnisse für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und die Gesellschaft zu erzielen.

Jetzt ist meine Zeit als Lehrer schon länger her, aber das ist wirklich beeindruckend und lesenswert: https://www.derstandard.at/story/3000000301928/was-erfolgreiche-schulen-anders-machen

Souveränitätswunschvorstellungen

Ich durfte beim Falter den folgenden Beitrag zu digitaler Souveränität veröffentlichen: https://www.falter.at/zeitung/20260107/wir-muessen-digitale-souveraenitaet-endlich-ernst-nehmen


Wir müssen digitale Souveränität endlich ernst nehmen

Wenn IT-Systeme ausfallen, Preise digitaler Services erhöht werden oder Staaten Einfluss auf Technologie-Konzerne nehmen, dann läuten in Europa die digitalpolitischen Alarmglocken. Immer mehr Menschenverstehen, dass einseitige Abhängigkeiten in der Digitalisierung ein Problem sind. Ende November gab es zur digitalen Souveränität einen eigenen Gipfel in Berlin. Europa brauche mehr digitale Gestaltungsmöglichkeiten, die Bedeutung freier und offener Software wurde unterstrichen.

Auch Österreich brachte sich ein und auch hierzulande gibt es entsprechende Entwicklungen. So nutzen z.B. einzelne Ministerien freie Software für Bürotätigkeiten oder als Kollaborations-Plattform. Beinahe unbemerkt haben sich in Österreich auch IT-Player mit europäischer Strahlkraft entwickelt, z.B. bei Cloud-Lösungen oder im Bereich der Virtualisierung. Open Source Software und Hardware werden häufig mit österreichischer Unterstützung entwickelt.

Open Source? Das ist doch ein Thema für die Nerds? Und München ist ja mit Linux gescheitert, oder? Leider sitzen solche Vorstellungen tief in den Köpfen so mancher Entscheidungsträger. Gleichzeitig wird das wirtschaftliche Potenzial offener Softwareentwicklung von EU-Kommission, Branchenvertretungen und Unternehmen längst gesehen. Open Source Software wird z.B. im Maschinenbau eingesetzt, wo die am Weltmarkt gefragte Kernkompetenz durch offene Software ergänzt und verstärkt wird. Für Österreich ergeben sich dadurch große Chancen.

Möglichkeiten für Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft

Digitale Souveränität bzw. Open Source als wirtschaftliches Standbein Österreichs – was ist dafür notwendig? Es braucht einen gesamtheitlichen Zugang und eine engere Verzahnung der unterschiedlichen Aktivitäten im Land.

Offene und alternative Software ist für die öffentliche Hand zunehmend interessant, einerseits um langfristig plattformunabhängig digitale Services anbieten zu können, andererseits aufgrund der budgetären Realität – hohe monatliche Lizenzzahlungen kosten Geld. Um das eigene Personal nicht zu überfordern, braucht es Schulungen und Ausbildungsangebote – z.B. für Gemeinden, Krankenhäuser & Co. Mitstreiter lassen sich auf allen Ebenen finden: das Land Dänemark, das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein oder die französische Stadt Lyon steigen gerade auf quelloffene Systeme um. Der Umgang mit Open Source Software muss außerdem in Schulen vermittelt und in den Unterricht integriert werden. Initiativen dazu existieren, sie brauchen Unterstützung und eine institutionelle Verankerung.

Unternehmen und Betriebe entwickeln und nutzen digitale Produkte. Für vermehrte gemeinsame Entwicklung souveräner Software oder Hardware braucht es z.B. Klarstellungen rund um das Kartellrecht. Auch für die Nutzung offener Angebote können Anreize gesetzt werden. Wollen Firmen in digitalsouveräne Lösungen investieren, dann sind die Anschaffungskosten meist höher als der kurzfristige Bezug dominanter Services: kompetentes Personal, eigene Hardware oder Verträge mit lokalen Dienstleistern kosten Geld. Gerade für KMU ist die Liquidität essenziell, günstige Kredite für Investitionen in digitale Souveränität könnten budgetneutral Abhilfe schaffen.

Auch die Wissenschaft spielt bei der Umsetzung digitaler Souveränität eine wichtige Rolle. Die Anbindung der angewandten Forschung an bestehende Open Source Projekte könnte erleichtert werden. Das würde die Wirkung von Forschungsmitteln verbessern und die in Österreich gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Dabei könnte Österreich z.B. von den Erfahrungen des deutschen Sovereign Tech Fund profitieren.

Digitale Souveränität und Open Source als Standortfaktor

Zu digitaler Souveränität gibt es in Österreich positive Entwicklungen und Stärkefelder: das birgt großes wirtschaftliches Potenzial. Neutralität, Diplomatie und wirtschaftliche Kooperation beherrscht Österreich in der analogen Welt. Diese Stärken könnte man auch digital ausspielen und sich als Standort positionieren.

Die Welt ist im Wandel, insbesondere die digitale. Europa ist sich seiner Abhängigkeiten zunehmend bewusst und investiert, um gegenzusteuern. Wenn Österreich davon profitieren will, dann müssen wir digitale Souveränität jetzt endlich ernst nehmen.

Produktionswissenskapital

Ein lesenswerter Artikel über die wirtschaftspolitische Bedeutung von Fertigungskompetenzen, Industriecluster und die duale Ausbildung als zentrale Bausteine:

https://www.programmablemutter.com/p/process-knowledge-is-crucial-to-economic

via Cory Doctorow

Technikfolgenabschätzungsreaktionen

Heute wird Christoph Wiederkehr als Bildungsminister Österreichs angelobt. Das freut mich sehr. Nicht zuletzt, weil er jemand ist, der sich auch mit den negativen Konsequenzen von Technologie für Kinder und Jugendliche beschäftigt.

Warum die Einschränkung von Smartphones an Schulen sinnvoll ist und wie das aussehen kann und soll, wird z.B. in diesem lesenswerten Artikel beschrieben: https://www.afterbabel.com/p/how-to-and-how-not-to-mandate-phone

Mehrwertsfragen

In Jon Haidts Blog schreibt der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath über den Stand von „Educational Technology“ – Technologie im Schuleinsatz. Er argumentiert, dass versprochene schulische Verbesserungen vielfach ausgeblieben sind.

Eine lesenswerte Perspektive – mich würde interessieren, was Lehrkräfte in Österreich darüber denken und freue mich über jede/-n, die/der sich meldet 👩‍🏫👨‍🏫

https://open.substack.com/pub/jonathanhaidt/p/the-edtech-revolution-has-failed

Handyhandhabung

Das BMBWF in Österreich empfiehlt eine Reglementierung von Smartphones an Schulen: https://www.derstandard.at/story/3000000246184/bildungsressort-empfiehlt-schulen-regeln-fuer-handynutzung

Dazu ein lesenswerter Bericht einer Schule in den USA, die ein Verbot mit technischer Unterstützung (Yondr-Handyhüllen) durchgesetzt hat: https://www.washingtonpost.com/nation/2024/05/01/school-cellphones-confiscate/

Wir brauchen Smartphone-freie Schulen und ein Verbot sozialer Medien für Kinder!

Manchmal hat man in Österreich das Gefühl, dass Digitalisierung als Naturgewalt wahrgenommen wird, die unaufhaltsam über uns hereinbricht. Das ist falsch, denn alles Digitale ist menschgemacht und Menschen halten sich zumeist an Gesetze oder gesellschaftliche Normen.

Trotzdem diskutieren wir nur selten darüber, wie wir Digitalisierung gestalten möchten. Häufig landet man beim „der Zug ist abgefahren“-Argument: Tun Smartphones Kindern gut? Sollten 10-Jährige Accounts bei sozialen Medien haben? Wollen wir, dass unser Verhalten permanent dokumentiert und für Werbung verwendet wird? Wer solche Fragen stellt, der hört schnell, dass man da nichts machen könne – Zuckerberg, Cook & Co. seien schließlich weit weg, man müsse lernen, die neuen Gegebenheiten zu akzeptieren.

In den USA, in Großbritannien und in immer mehr Teilen der Welt sieht man das zunehmend anders. Derzeit diskutiert man in Übersee intensiv das neue Buch („The Anxious Generation“) des amerikanischen Psychologieprofessors Jonathan Haidt. Seine Kernthesen: Soziale Medien und Smartphones haben global Kindheiten zum Schlechten verändert. Sie sind eine Ursache für Angststörungen und Depressionen. Sie reduzieren die Konzentrationsfähigkeit von Jugendlichen. Sie senken das Selbstbewusstsein junger Mädchen, Burschen kapseln sich vermehrt von ihrer Umgebung ab und verlieren den Anschluss.

In der Kindheit entstehen Werte, Weltbilder und Interessen. Es entstehen lebenslange Freundschaften und Leidenschaften, z.B. für Sport oder Musik. Kinder lernen noch akzentfrei Sprachen, auch Dialekte – ihnen gelingt die gesellschaftliche Integration am leichtesten. Haidt argumentiert, dass Smartphones und soziale Medien Kinder zwischen 9 und 15 vor allem negativ prägen. Werbefinanzierte Influencer ersetzen lokale Vorbilder, vom Glücksspiel inspirierte Apps ersetzen Hobbies und physische Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden.

Haidt fordert daher ein Verbot sozialer Medien mit ihren aufwühlenden und Aufmerksamkeit dominierenden Algorithmen für unter 16-Jährige, ein Verbot von Smartphones bis zum Ende der Mittelschule und Smartphone-freie Schulen.

Haidts Thesen sind nicht unumstritten, seine Forderungen werden aber intensiv diskutiert: In Florida gibt es einen Gesetzesvorschlag zum Verbot sozialer Medien, in Großbritannien fordern 75.000 Eltern ein Smartphone-Verbot, jeweils für Unter-16-Jährige. In Frankreich arbeitet man an einem gesetzlichen Mindestalter für Social Media. Neuseeland verbietet seit kurzem Smartphones in Schulen. Vielerorts handelt die Politik bereits oder wird, insbesondere von Eltern, vermehrt dazu aufgefordert.

Auch österreichische Eltern sind konstant damit konfrontiert, einen passenden Umgang mit Technologie zu finden. Kritiker argumentieren, dass Eltern selbst entscheiden sollen, wann ihre Kinder Smartphones bekommen oder auf sozialen Medien aktiv werden dürfen. Kinder wollen aber, was andere haben – ein Smartphone oder Accounts für soziale Medien werden früh zu absoluten Wunschobjekten. Geben einzelne Eltern aus verständlichen Gründen nach, dann entsteht massiver sozialer Druck für andere. So landen wir in einer belastenden Situation für zahlreiche Eltern, potenziell zum Nachteil vieler Kinder. Es liegt ein soziales Dilemma vor. Für dessen Lösung braucht es die Politik. Das ist eine Frage des Kinderschutzes.

Wir sollten Verbote für Smartphones und soziale Medien sowie Smartphone-freie Schulen politisch diskutieren. Die österreichischen Parteien sollten das Thema aufgreifen, man könnte auch einen Bürgerrat zur gemeinsamen Entscheidungsfindung einberufen. Es gibt in Österreich Schulen, die Smartphones in den Klassen und auch Pausen verbieten, Lehrwerkstätten, in denen sie tabu sind. Hier sollte die Politik unterstützen – z.B. durch evaluierbare Pilotprojekte, konkret auch durch die Anschaffung von Smartphone-Spinds. Die Politik sollte auch untersuchen lassen, wie eine Datenschutz-konforme Altersüberprüfung für soziale Medien aussehen kann – wir verfügen über europaweit angesehene Experten zu Datenschutz und Privatsphäre, die mit Sicherheit bereit wären, ihre Expertise beizusteuern.

Es geht nicht darum, die Digitalisierung aufzuhalten. Sie vereinfacht vielfach unser Leben, unsere Wirtschaft bleibt mit ihr wettbewerbsfähig. Es geht auch nicht darum, Technologie aus dem Leben unserer Kinder zu verbannen – Laptops im Wohnzimmer, digitaler Kompetenzaufbau im Schulunterricht und das Ansehen von Videos sind anders zu bewerten als omnipräsente Smartphones und die Erstellung personalisierter Profile. Es geht darum, zu entscheiden, welche Aspekte der Digitalisierung wir als Gesellschaft für unsere Kinder wollen – und welche nicht. Diskutieren wir das im Wahlkampf-Jahr 2024!

zuerst veröffentlicht auf falter.at

Foto von charlesdeluvio auf Unsplash

Verwaltungsgesprächsinhalte

Beate Meinl-Reisinger spricht mit Christian Kern über Österreichs Zukunft.

Ab Minute 32 unterhalten sich die beiden über die Bundesverwaltung. Beate Meinl-Reisinger verweist dabei auf unsere Initiative Bessere Verwaltung.

Das ganze Gespräch ist hörenswert:

Wien-Anemoia

Freakonomics beschäftigt sich mit dem globalen Einfluss Wiens vor dem 2. Weltkrieg, mit der Bedeutung des Wiener Bildungsbürgertums für die Ökonomie, die Psychologie, Shopping-Zentren, Hollywood oder für die Marktforschung.

U.a. wird darauf eingegangen, wie sich das „rote Wien“ auf die Wirtschaftspolitik von Reagan & Thatcher ausgewirkt hat und wie der Verlust der Welt von Gestern heute z.B. noch in Arnold Schwarzenegger weiterlebt. Hörenswert: https://freakonomics.com/podcast/how-does-the-lost-world-of-vienna-still-shape-our-lives/

Gründungsgeschichten

Luis von Ahn ist ein sehr beeindruckender Unternehmer. Im Podcast „How I Built This“ erzählt er, wie es zur Gründung von reCAPTCHA und von Duolingo kam.

Eine sehr hörenswerte Geschichte:

https://podcasts.apple.com/us/podcast/recaptcha-and-duolingo-luis-von-ahn-2020/id1150510297?i=1000637843916