Beiträge

Breitbandmarktdesign

Ein lesenswerter Artikel über die Ausgestaltung des Breitbandausbaus in den USA, in Deutschland und in der Schweiz: der „freie Markt“ wird überall promotet, die Ergebnisse variieren immens.

Meinem Verständnis nach orientiert sich Österreich am ehesten an Deutschland:

https://stefan.schueller.net/posts/the-free-market-lie

Medienmargenmarginalisierung

Der Standard führt neue Online-Abos ein und beschränkt die kostenlosen Inhalte und Funktionen der Webseite. Die Aufregung ist ob der zentralen Rolle des Standard-Forums im österreichischen Online-Diskurs entsprechend groß: https://www.derstandard.at/story/3000000320010/der-standard-baut-digitales-abo-angebot-aus

Gleichzeitig hat Standard-Journalist Harald Fidler seinen Werbeindex aktualisiert. Das Werbevolumen auf digitalen Plattformen wächst, Werbeausgaben für klassische Medien stagnieren bzw. schrumpfen: https://www.diemedien.at/articles/articles-diemedien-werbeindex-osterreich-werbung-bei-digitalkonzernen-weit-vor-medien

Diese Entwicklung hat z.B. Martin Andree in seinem Buch „Big Tech muss weg!“ 2023 vorhergesagt: digitale Plattformen zerstören immer mehr die Finanzierungsgrundlage für Journalismus. Politische Gegenmaßnahmen sind notwendig.

Werbungswechsel

Das liberale US-Medium The American Prospect hat sich dazu entschieden, keine verhaltens- und profilbasierte Werbung mehr auf ihrer Webseite einzubinden.

Warum?
tl;dr: kein Bigtech-Support mehr, mehr Datenschutz und weniger Tracking, weniger Anreiz für Clickbait-Journalismus.

Lesens- und nachahmenswert: https://prospect.org/2026/04/06/why-were-removing-our-programmatic-ads/

Informationsbeschaffungsaufwand

Cory Doctorow mit einem lesenswerten Beitrag zur unterbewerteten „Fact-Intensivity“ bei der Durchsetzung von Recht. Erzeugen Gesetze bei ihrer Durchsetzung einen hohen administrativen Aufwand, dann kann das die Wirkung der Gesetze stark einschränken.

Ein Problem, das er z.B. beim Kartellrecht (hoher Aufwand bei der Definition eines Marktes) oder rund um „Hass im Netz“-Gesetze (hoher Aufwand für Überprüfungen einzelner Beiträge und Gegenmaßnahmen durch Plattformen) sieht.

https://pluralistic.net/2026/03/25/fact-intensive/#market-definition

Souveränitätsrundfunk

Eine hörenswerte Sendung von Ö1 Matrix zu digitaler Souveränität. Einerseits wird der Stand der Dinge in Schleswig-Holstein und in Österreich analysiert. Andererseits wird gezeigt, dass rund um OSOS Austria Open Source auch an österreichischen Schulen umgesetzt wird:

https://oe1.orf.at/programm/20260410/828785/Digitale-Souveraenitaet

Medienklassifikationsdämmerung

Hans Rauscher, wie immer sehr treffend, über eine richtungsweisende Gerichtsentscheidung in den USA zu Social Media & Verantwortung: https://www.derstandard.at/story/3000000314246/verantwortung-fuer-tech-oligarchen

inkl. Verweis auf den wie immer hörenswerten Nikolaus Forgó in Ö1: https://oe1.orf.at/player/20260326/826349/1774524677595

himmlisch

Das sind gute Nachrichten für Social Media in Europa: die spanische Igalia, ein globaler Treiber von Open Source Softwareentwicklung, hat bekanntgegeben, die Entwicklung des Eurosky Projekts zu unterstützen: https://www.igalia.com/2026/03/18/Advancing-the-AT-Protocol-in-Partnership-with-Eurosky.html

Eurosky baut eine europäische Implementierung des AT Protocols, auf dem u.a. das soziale Netzwerk Bluesky basiert.

Digitalkonsumentenschutz

Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree

Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.

Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/

via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

KI: Konsequenzen immanent

Der xkcd-Comic zum Internet Stack (Bild unten; Quelle: https://xkcd.com/2347/) verdeutlicht seit Jahren die Situation vieler Open Source Projekte. Künstliche Intelligenz scheint nun die Fragilität der verschiedenen Projekte weiter zu erhöhen:

▶️ Einerseits steigt durch „AI Slop“ und durch auf Bug Bounties ausgerichtete Agents die Belastung für bestehende Projekte, mit der Konsequenz, dass es potenziell weniger Anreize gibt, echte Security-Probleme zu identifizieren – zu sehen z.B. bei Log4j, nachzulesen u.a. hier: https://www.derstandard.at/story/3000000310498/open-source-projekt-klagt-ueber-massive-belastung-durch-ki-muell

▶️ Andererseits führen Vibe Coding und die KI-gestützte Beantwortung von Fragen zur Dokumentation potenziell zu Schwierigkeiten beim Geschäftsmodell vieler Softwareprojekte, da Anwender:innen mit Entwickler:innen weniger direkt interagieren – zu sehen z.B. bei Tailwind CSS, nachzulesen u.a. hier: https://www.leitmedium.de/2026/01/09/das-drohende-ende-von-opensource-projekten-durch-llms-am-beispiel-von-tailwind/

Für die Weiterentwicklung von Open Source Software, die u.a. auch im Produktionskontext zum Einsatz kommt, kann das ein echtes Problem werden.

Falls jemand schon Beispiele mit direktem Industriebezug kennt, freue ich mich über eine Info!

Mülleinfuhr

„AI Slop“, KI-generierter Müll, nimmt im Internet massiv zu – auf sozialen Medien, in Foren, auf Videoplattformen etc.

Warum passiert das? Aufmerksamkeit ist die Währung des Internets. Wer Klicks generiert, verdient damit Geld.

Die Konsequenz: für ernstzunehmende Medien, Redaktionen, Blogs, usw. wird es noch schwerer, im Überangebot an Content durchzukommen und sich zu finanzieren. Ein zunehmendes Problem für unsere Gesellschaft.

Dazu eine sehenswerte Diksussion im c’t Magazin: https://www.heise.de/news/KI-Muell-flutet-das-Internet-c-t-uplink-11183867.html