Protokollpersistenz
Unter den ganzen Plattformen und shiny apps liegen die Protokolle, die das Internet ermöglichen. Ein lesenswerter Text zu RSS, SMTP & Co. und zu deren Persistenz:
Unter den ganzen Plattformen und shiny apps liegen die Protokolle, die das Internet ermöglichen. Ein lesenswerter Text zu RSS, SMTP & Co. und zu deren Persistenz:
Cory Doctorow mit einem lesenswerten Beitrag zur unterbewerteten „Fact-Intensivity“ bei der Durchsetzung von Recht. Erzeugen Gesetze bei ihrer Durchsetzung einen hohen administrativen Aufwand, dann kann das die Wirkung der Gesetze stark einschränken.
Ein Problem, das er z.B. beim Kartellrecht (hoher Aufwand bei der Definition eines Marktes) oder rund um „Hass im Netz“-Gesetze (hoher Aufwand für Überprüfungen einzelner Beiträge und Gegenmaßnahmen durch Plattformen) sieht.
https://pluralistic.net/2026/03/25/fact-intensive/#market-definition
Das sind gute Nachrichten für Social Media in Europa: die spanische Igalia, ein globaler Treiber von Open Source Softwareentwicklung, hat bekanntgegeben, die Entwicklung des Eurosky Projekts zu unterstützen: https://www.igalia.com/2026/03/18/Advancing-the-AT-Protocol-in-Partnership-with-Eurosky.html
Eurosky baut eine europäische Implementierung des AT Protocols, auf dem u.a. das soziale Netzwerk Bluesky basiert.
„Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree
Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.
Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/
Cory Doctorow („Enshittification“) und Tim Wu („The Age of Extraction“) haben kürzlich zwei prägende Bücher zur Gegenwart und Zukunft des Internets veröffentlicht. In einem hörenswerten Interview mit Ezra Klein erklären sie die Konzepte dahinter:
https://www.nytimes.com/2026/02/06/opinion/ezra-klein-podcast-doctorow-wu.html
Nextcloud, eines der führenden Open Source Unternehmen Europas und in Österreich u.a. im Wirtschaftsministerium im Einsatz, über notwendige Schritte für mehr digitaler Souveränität in Europa und den EuroStack:
https://nextcloud.com/blog/digital-sovereignty-in-europe-what-still-lies-ahead/
Die Diskussion zu digitaler Souveränität nimmt seit Monaten an Fahrt auf. Beim OpenForum Europe hat man sich die Vorgehensweise Dänemarks näher angesehen: https://openforumeurope.org/open-technologies-public-procurement-and-economic-impact-lessons-from-denmark-for-europes-next-digital-laws/
Drei Erkenntnisse:
1️⃣ Die öffentliche Beschaffung ist dort ein zentraler Hebel. Durch sie entsteht eine stabile Nachfrage für souveräne IT-Lösungen und dadurch Investitons-/Planungssicherheit für Unternehmen. Die wiederum generiert regionale Wertschöpfung.
2️⃣ Die geänderte Kostenstruktur wird proaktiv adressiert. Bei der Verwendung von Open Source Software zahlt man weniger für Lizenzen. Stattdessen investiert man in Knowhow-Aufbau oder Wartungsverträge und Adaptierung von Software.
3️⃣ Bei digitaler Souveränität geht es nicht um die Software-Vorlieben einzelner Personen oder Institutionen. Vielmehr geht es um ein Abwiegen von Risiken. Dabei können Open Source Program Offices (OSPOs) als zentrale Stellen für Koordination und Komplexitätsabbau helfen.
Deutschland will ab 2027 das „Open Document Format“ (ODF) als technischen Standard für Dokumente verwenden. Defaults/Standards sind wesentlich für Verhaltensänderungen, wissen Richard Thaler und die Verhaltensökonomie.
Daher ein wichtiger Schritt für Interoperabilität und Offenheit in der Verwaltung 👇
Was bedeutet Eigentum, wenn Produkte nach dem Kauf digital verändert werden? Eine relevante Frage, wenn zunehmend Abomodelle & Co. verkauft werden. „ratgdo“ – Rage Against The Garage Door Opener – heißt ein Device, dessen Erfolg genau auf der Umgehung solcher Modelle beruht. Ein lesenswerter Artikel in der New York Times zum Device, der Gesamtsituation und der Bewegung für digitales Eigentum:
RSS ist nicht neu und hat auch nichts mit AI zu tun. Trotzdem ist der technische Standard heute das wichtigste Werkzeug, wenn man News und Updates zu Themen erhalten möchte, ohne sich auf digitale Plattformen mit werbeoptimierten Algorithmen verlassen zu müssen.
766 Feeds greife ich derzeit mit meinem RSS Reader ab, um Informationen zu so gut wie allen Themen zu erhalten, die mich interessieren. Das funktioniert super, ganz ohne Datensammlung und Werbung.
Hier ein lesenswerter Artikel von Cory Doctorow zum Thema.
tl;dr: Nutzt RSS.
https://pluralistic.net/2024/10/16/keep-it-really-simple-stupid
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