Beiträge

Souveränitätseinstellungen

Prof. Christiane Wendehorst von der Universität Wien hat einen sehr lesenswerten Text zu digitaler Souveränität veröffentlicht.

Meine persönliche Zusammenfassung:

  1. Digitale Handlungsfähigkeit ist für Europa wichtig. Ein Problem zu ignorieren, löst es nicht (auch in Hinblick auf ein potenzielles Schrems III). Der beste Zeitpunkt, einseitige digitale Abhängigkeiten zu adressieren, war vor 20 Jahren, der zweitbeste ist jetzt.
  2. Auf den „Brüssel-Effekt“ zu hoffen, ist zu wenig. Es braucht alternative Angebote und die notwendige Nachfrage dazu. Für beides ist die Mobilisierung von europäischem Investitionskapital für Europa erforderlich.
  3. Bessere politische Entscheidungen benötigen (mehr) technologische Kompetenz. Sonst gibt es keine praktische Rechtssicherheit und das digitale Pendant zu „Carbon Leakage“ – Produkte werden am europäischen Datenschutz vorbei anderswo erstellt und importiert.

Hier der Link zum Beitrag: https://www.derstandard.at/story/3000000329925/europas-bequemlichkeit-hat-uns-digitale-souveraenitaet-gekostet

Algorithmenreparaturrecht

Ein lesenswerter Kommentar von Clemens Maria Schuster in der Presse zum Thema Social Media: https://www.diepresse.com/29340072/social-media-beschraenkung-fuer-kinder-und-jugendliche-das-recht-auf-im

Kernaussage: Algorithmen müssen keine Blackbox sein, durch politische Big Tech Regulierung können die negativen Auswirkungen sozialer Medien auch ohne Überwachung reduziert werden.

Medienmacher

Andreas Sator hat die CEOs von Bluesky und Mastodon interviewt. Ein lesenswerter Einblick in die Sichtweisen alternativer, sozialer Medien: https://www.falter.at/zeitung/20260512/wir-sind-wie-vollkornbrot-aber-die-menschen-woll

Informationsbeschaffungsaufwand

Cory Doctorow mit einem lesenswerten Beitrag zur unterbewerteten „Fact-Intensivity“ bei der Durchsetzung von Recht. Erzeugen Gesetze bei ihrer Durchsetzung einen hohen administrativen Aufwand, dann kann das die Wirkung der Gesetze stark einschränken.

Ein Problem, das er z.B. beim Kartellrecht (hoher Aufwand bei der Definition eines Marktes) oder rund um „Hass im Netz“-Gesetze (hoher Aufwand für Überprüfungen einzelner Beiträge und Gegenmaßnahmen durch Plattformen) sieht.

https://pluralistic.net/2026/03/25/fact-intensive/#market-definition

Kollektivbewusstsein

Ein lesenswerter Artikel über ein irisches Dorf, dessen Bewohner:innen gemeinsam beschlossen haben, Smartphones für Kinder zu verzögern.

Wie man ein „Collective Action Problem“ adressieren kann:

https://www.nytimes.com/2026/03/25/realestate/ireland-cell-phones-children.html

Medienklassifikationsdämmerung

Hans Rauscher, wie immer sehr treffend, über eine richtungsweisende Gerichtsentscheidung in den USA zu Social Media & Verantwortung: https://www.derstandard.at/story/3000000314246/verantwortung-fuer-tech-oligarchen

inkl. Verweis auf den wie immer hörenswerten Nikolaus Forgó in Ö1: https://oe1.orf.at/player/20260326/826349/1774524677595

himmlisch

Das sind gute Nachrichten für Social Media in Europa: die spanische Igalia, ein globaler Treiber von Open Source Softwareentwicklung, hat bekanntgegeben, die Entwicklung des Eurosky Projekts zu unterstützen: https://www.igalia.com/2026/03/18/Advancing-the-AT-Protocol-in-Partnership-with-Eurosky.html

Eurosky baut eine europäische Implementierung des AT Protocols, auf dem u.a. das soziale Netzwerk Bluesky basiert.

Digitalkonsumentenschutz

Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree

Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.

Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/

via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

Mülleinfuhr

„AI Slop“, KI-generierter Müll, nimmt im Internet massiv zu – auf sozialen Medien, in Foren, auf Videoplattformen etc.

Warum passiert das? Aufmerksamkeit ist die Währung des Internets. Wer Klicks generiert, verdient damit Geld.

Die Konsequenz: für ernstzunehmende Medien, Redaktionen, Blogs, usw. wird es noch schwerer, im Überangebot an Content durchzukommen und sich zu finanzieren. Ein zunehmendes Problem für unsere Gesellschaft.

Dazu eine sehenswerte Diksussion im c’t Magazin: https://www.heise.de/news/KI-Muell-flutet-das-Internet-c-t-uplink-11183867.html

Verblödungsfantasierealisierung

Noch ein Artikel aus dem letzten Falter: in seiner Kolumne argumentiert Ruşen Timur Aksak für digitale Souveränität, am Beispiel der dystopischen Komödie Idiocracy.

Lesensert: https://www.falter.at/zeitung/20260210/unsere-dystopische-zukunft-hat-bereits-begonnen