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Szenendiskussion

Die ganze Woche schon wird auf Social Media der Einstieg von Peter Steinberger (OpenClaw) bei OpenAI heiß diskutiert. In den meisten Fällen dominiert die Einseitigkeit („Unternehmer werden in Europa mit Füßen getreten„, „Wieder ein Startup Bro, dem Sicherheit egal ist„, etc.). Eine nicht einseitige und hörenswerte Einordnung machen dafür Jakob Steinschaden und Clemens Wasner in ihrem „AI Talk“: https://www.trendingtopics.eu/steinberger-kontroverse/

Too long; didn’t listen:

  • Beim Fall Steinberger geht es weniger um Startups als um Open Source Softwareentwicklung; der Abgesang auf Europa durch seinen Jobwechsel ist fehl am Platz.
  • Das ORF-Interview bei Armin Wolf war kritisch und das ist auch die Aufgabe der Zeit im Bild; gleichzeitig gibt es in Österreich ein Problem zu Technologiebildung.
  • Österreich und Europa sind im Open Source Bereich gut aufgestellt; die Unterstützung für Unternehmen und Geschäftsmodelle ist aber zu gering, häufig bleiben nur Lippenbekenntnisse.

Ergänzung von meiner Seite: im politischen Diskurs steht bei Open Source meistens die öffentlichen Verwaltung im Mittelpunkt. Das ist schon wichtig, aber der potenzielle wirtschaftliche Hebel und die Wertschöpfung durch entsprechende Geschäftsmodelle sind mindestens so relevant. Unser Zugang dazu muss sich ändern, denn gerade im Umfeld der Produktion („Rückgrat der Wirtschaft“, „Hidden Champions“ usw.) gäbe es hier sehr viele Möglichkeiten.

Hypebegleiterscheiungen

Der KI-Kritiker Ed Zitron hat die CES besucht. In einem Artikel dazu beschreibt er treffend zwei Probleme im Tech-Sektor: die zu geringe Anzahl kritischer Stimmen (Technologie-Journalismus) und den häufig zu engen Fokus von Venture Capital:

https://www.wheresyoured.at/dot-com-bubble/

Erdgewinnungsmaßnahmen

Seltene Erden“ sind als zentrale Elemente moderner Technologien immer wieder in den Nachrichten. China dominiert den Markt. Zwei lesenswerte Artikel, die zeigen wie Japan und die USA damit umzugehen:

1️⃣ In Japan hat man vor 15 Jahren begonnen, alternative Bezugsquellen für seltene Erden aufzubauen. Die Regierung investierte eine Mrd. $ und unterstützte japanische Unternehmen beim Aufbau von Kooperationen, insbesondere mit einem australischen Bergbau-Unternehmen mit einer Verarbeitungsanlage in Malaysien. Die Abhängigkeit von China konnte von 90% (2010) auf 60-70% reduziert werden: https://www.nytimes.com/2025/12/08/business/japan-rare-earths-lynas.html

2️⃣ In den USA entstehen derzeit einige Startups, die ebenfalls an seltenen Erden arbeiten. Banken und Fonds investieren. Auch die US-Regierung beteiligt sich direkt an Bergbaufirmen und Startups. Gleichzeitig fehlen aber Fachkräfte: „Some experts are skeptical of startup efforts to solve what is more fundamentally a skilled labor shortage. ‚What we lack is real intelligence, which is generations of people we’ve lost who were capable of working with the real minerals,‘ said Corby Anderson, an expert in mineral processing at the Colorado School of Mines.„: https://www.wsj.com/business/silicon-valley-is-racing-to-make-critical-mineralsand-blunt-chinas-dominance-692390e3

Robotikrealitätscheck

Eigentlich ist das ja ein Artikel zu humanoider Robotik. Faktisch geht’s hier aber auch um Medien und den Bedarf nach gutem Wirtschaftsjournalismus. Gerade bei technologischen Hype-Themen (humanoide Roboter, alles rund um AI…) braucht es kritische Stimmen und fundierte Analysen – die sind aber zunehmend rar oder finanziell unter Druck.

Jedenfalls ist der Artikel sehr lesenswert. Der Autor beschreibt den Stand der Technik und Entwicklung humanoider Roboter, adressiert die Position der USA und Chinas (Stichwort: regionales Prozesswissen) und geht auf die Herausforderungen ein, die entstehen, wenn vermeintlich simple Aufgaben, z.B. im Haushalt, mit Technologie gelöst werden sollen.

https://harpers.org/archive/2025/12/kicking-robots-james-vincent-humanoids

via Web Curios

Sozialmediensterben

Beim Ausprobieren neuer sozialer Medien ist es wichtig, dass die eigenen Beiträge und Daten nicht verloren gehen und portabel sind. Dafür sorgt z.B. das ActivityPub-Protokoll, auf dem Mastodon aufbaut.

Ein Negativbeispiel sozialer Nischenmedien ist/war die Plattform Ello. Ello wurde 2014 gelauncht, unterstützt durch Venture Capital und mit dem Anspruch, eine valide Alternative zu Facebook zu schaffen. Ello ist gescheitert.

Die Geschichte der Plattform ist lesenswert: https://waxy.org/2024/01/the-quiet-death-of-ellos-big-dreams/

Gründungsgeschichten

Luis von Ahn ist ein sehr beeindruckender Unternehmer. Im Podcast „How I Built This“ erzählt er, wie es zur Gründung von reCAPTCHA und von Duolingo kam.

Eine sehr hörenswerte Geschichte:

https://podcasts.apple.com/us/podcast/recaptcha-and-duolingo-luis-von-ahn-2020/id1150510297?i=1000637843916

Millenialförderungen

Zusätzlich zur hohen Inflation erleben wir momentan ein Ende der „Millenial Lifestyle Subsidy“ – Dienstleistungen, deren Preise mit Hilfe von Risikokapital niedrig gehalten wurden (Airbnb, Uber, Netflix…), werden zunehmend teurer.

Lesenswert:

https://www.businessinsider.com/silicon-valley-millennial-lifestyle-subsidy-2023-7

Exitfantasien

Ein lesenswerter Artikel über das Konzept des „Exits“, dessen Bedeutung für die Kultur im Silicon Valley und die Grenzen & Konsequenzen libertärer Ideologien.

Exit is not a benign withdrawal. It imposes costs on those left behind, and the freedom of Exiteers substantially depends on the unfree labor of others.

https://harpers.org/archive/2023/01/exit-technologists-libertarianism/