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Medienmargenmarginalisierung

Der Standard führt neue Online-Abos ein und beschränkt die kostenlosen Inhalte und Funktionen der Webseite. Die Aufregung ist ob der zentralen Rolle des Standard-Forums im österreichischen Online-Diskurs entsprechend groß: https://www.derstandard.at/story/3000000320010/der-standard-baut-digitales-abo-angebot-aus

Gleichzeitig hat Standard-Journalist Harald Fidler seinen Werbeindex aktualisiert. Das Werbevolumen auf digitalen Plattformen wächst, Werbeausgaben für klassische Medien stagnieren bzw. schrumpfen: https://www.diemedien.at/articles/articles-diemedien-werbeindex-osterreich-werbung-bei-digitalkonzernen-weit-vor-medien

Diese Entwicklung hat z.B. Martin Andree in seinem Buch „Big Tech muss weg!“ 2023 vorhergesagt: digitale Plattformen zerstören immer mehr die Finanzierungsgrundlage für Journalismus. Politische Gegenmaßnahmen sind notwendig.

Werbungswechsel

Das liberale US-Medium The American Prospect hat sich dazu entschieden, keine verhaltens- und profilbasierte Werbung mehr auf ihrer Webseite einzubinden.

Warum?
tl;dr: kein Bigtech-Support mehr, mehr Datenschutz und weniger Tracking, weniger Anreiz für Clickbait-Journalismus.

Lesens- und nachahmenswert: https://prospect.org/2026/04/06/why-were-removing-our-programmatic-ads/

Erwartungsmanagement

Eine Bitkom-Umfrage ergibt, dass 99% der Deutschen es für wichtig halten, dass das Land digital unabhängiger wird: https://www.heise.de/news/99-Prozent-wollen-digitale-Unabhaengigkeit-6-Prozent-nutzen-KI-aus-EU-11252308.html

In Frankreich müssen bis zum Herbst Ministerien & Behörden Pläne zum Umstieg auf Linux vorlegen: https://www.derstandard.at/story/3000000316292/adieu-windows-frankreich-beschliesst-plan-hin-zur-digitalen-souveraenitaet

People often overestimate what will happen in the next two years and underestimate what will happen in ten.“ – ein Zitat von Bill Gates, 1996.

Medienklassifikationsdämmerung

Hans Rauscher, wie immer sehr treffend, über eine richtungsweisende Gerichtsentscheidung in den USA zu Social Media & Verantwortung: https://www.derstandard.at/story/3000000314246/verantwortung-fuer-tech-oligarchen

inkl. Verweis auf den wie immer hörenswerten Nikolaus Forgó in Ö1: https://oe1.orf.at/player/20260326/826349/1774524677595

Digitalkonsumentenschutz

Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree

Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.

Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/

via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

Machtdemonstration/-dokumentation

Das ist eine gut gemachte Dokumentation zum Zusammenhang Wirtschaft-Technologie-Politik-Macht:

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtOTEzYjc3OTQtYTE3ZS00MGE5LWIxY2UtNGZjZmRiOTUwYTZm

Verblödungsfantasierealisierung

Noch ein Artikel aus dem letzten Falter: in seiner Kolumne argumentiert Ruşen Timur Aksak für digitale Souveränität, am Beispiel der dystopischen Komödie Idiocracy.

Lesensert: https://www.falter.at/zeitung/20260210/unsere-dystopische-zukunft-hat-bereits-begonnen

Wettbewerbsdifferenzen

Ein lesenswerter Artikel über die Wettbewerbspolitik der EU: Wettbewerb hat qualitativ verschiedene Dimensionen – in den USA wird meist auf Marktkapitalisierung und -dominanz fokussiert. Das nachzuahmen ist für Europa nicht sinnvoll. Stattdessen sollte sich die EU darauf fokussieren, möglichst vielen Unternehmen bessere Wettbewerbsbedingungen für Produktivität und Innovation zu ermöglichen und Monopolbildungen zu verhindern. Auch in der Digitalisierung.

https://www.project-syndicate.org/commentary/europe-should-not-emulate-us-style-competitiveness-by-sandeep-vaheesan-2026-02

Internetzukunftsfragen

Cory Doctorow („Enshittification“) und Tim Wu („The Age of Extraction“) haben kürzlich zwei prägende Bücher zur Gegenwart und Zukunft des Internets veröffentlicht. In einem hörenswerten Interview mit Ezra Klein erklären sie die Konzepte dahinter:

https://www.nytimes.com/2026/02/06/opinion/ezra-klein-podcast-doctorow-wu.html

dobusch: do-DiDay!

Leonhard Dobusch (u.a. ORF Stiftungsrat) hat ein sehenswertes Video zum „Digital Independence Day“ gemacht, in dem er erklärt, was es mit dem Begriff „Enshittification“ auf sich hat, warum der Status quo digitaler Plattformen problematisch ist und was man tun kann & sollte, um gegenzusteuern:

https://www.moment.at/story/enshittification-diday/