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Wettbewerbswegweiser

Google hat vor Gericht in erster Instanz gegen Epic Games verloren – u.a. wurde die Kopplung von App Store und Abrechnungssystem für rechtswidrig erklärt.
Eine wohl wegweisende Entscheidung gegen Big Tech und das digitale Plattform-Geschäftsmodell:

https://www.thebignewsletter.com/p/boom-google-loses-antitrust-case

Millenialförderungen

Zusätzlich zur hohen Inflation erleben wir momentan ein Ende der „Millenial Lifestyle Subsidy“ – Dienstleistungen, deren Preise mit Hilfe von Risikokapital niedrig gehalten wurden (Airbnb, Uber, Netflix…), werden zunehmend teurer.

Lesenswert:

https://www.businessinsider.com/silicon-valley-millennial-lifestyle-subsidy-2023-7

Werbeparametertransparenz

Die amerikanische News-Plattform The Markup zeigt in einem Artikel den Detailgrad der Profile, die über die Nutzerinnen und Nutzer digitaler Plattformen angelegt werden.

Zuschreibungen wie „Receptive to emotional Messaging“ oder „Mid – Life Strugglers – Small-Town Families“ entstehen durch verhaltensbasierte Daten und werden für verhaltensbasierte Werbung verwendet.

Den dazugehörigen Datensatz hat übrigens der österreichische Tech-Forscher und -Aktivist Wolfie Christl entdeckt.

Lesenswert:

https://themarkup.org/privacy/2023/06/08/from-heavy-purchasers-of-pregnancy-tests-to-the-depression-prone-we-found-650000-ways-advertisers-label-you

Verhaltensdatensammlungsstopp

Die norwegische Datenschutzbehörde verbietet Meta (Facebook, Instagram), auf Verhaltensdaten basierende Werbung anzubieten.

Die Behörde im Wortlaut: „Invasive commercial surveillance for marketing purposes is one of the biggest risks to data protection on the internet today„.

Die Arbeit von NOYB und Co. trägt Früchte – und positive Entwicklungen starten ja oft in Skandinavien…

https://techcrunch.com/2023/07/17/norway-meta-ads-ban/

Statt einer weißen Titelseite: eine andere Art von Werbung

Am 3. Mai erschienen Österreichs Tageszeitungen mit weißen Titelseiten. Man wollte aufzeigen, dass private Medien verstärkt in Bedrängnis geraten. Der ORF wird als zunehmende Bedrohung wahrgenommen, weil die Werbeerlöse bei Österreichs Medien sinken. Aber ist wirklich der ORF das Problem?

Martin Kotynek vom Standard lieferte die Antwort: Google und Facebook machen mittlerweile die Hälfte des österreichischen Werbemarktes aus. Der Werbekuchen für Österreichs Medien wird also insgesamt kleiner, Verteilungsfragen rücken in den Vordergrund.

Geschäftsmodell Verhaltensdaten

Die Situation am Werbemarkt erfordert Verständnis für digitale Geschäftsmodelle. Große Technologieplattformen versprechen ihren Kundinnen und Kunden, ganz spezifische Zielgruppen mit einer an die Gruppe angepassten Botschaft zu erreichen. Dafür werden permanent Verhaltensdaten der Nutzerinnen und Nutzer gesammelt und umfassende Profile erstellt (Stichwort: Mikrotargeting).

Diese „innovative“ Vorgehensweise stößt spätestens seit dem Skandal um Cambridge Analytica auf wachsende Kritik. Filterblasen oder sich viral verbreitendende Falschinformationen bauen ebenfalls auf der Verwertung von Verhaltensdaten auf. Währenddessen bleibt für Unternehmen intransparent, ob die versprochenen Zielgruppen tatsächlich erreicht werden, wie z.B. der US-Autor Tim Hwang kritisiert.

Kontextbasierte Werbung als Alternative

Verhaltensdaten als Grundlage für Werbung sind jedoch nicht alternativlos: Als der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Niederlande 2020 beschloss, darauf zu verzichten und stattdessen auf kontextbasierte Werbung zu setzen, konnte der Werbeumsatz gesteigert werden. Der Vorteil für eigenständige Medien: Werbeumsätze müssen nicht mit digitalen Plattformen geteilt werden.

Ein weiterer Vorteil: Personifizierte Werbung wird häufig negativ wahrgenommen, z.B. wenn Nutzerinnen und Nutzer einmal kurz angesehene Produkte tagelang durch das gesamte Internet verfolgen. Seit 2021 haben iPhone-Besitzer die Möglichkeit, Apps die Auswertung von Verhaltensdaten zu untersagen – die Mehrheit macht davon Gebrauch.

Großes Potenzial für Österreich

Dennoch breitet sich auf Verhaltensdaten basierende Werbung, maßgeblich getrieben von globalen Technologieplattformen, weiterhin aus. Sofern keine Trendumkehr erfolgt, kann auch in Zukunft davon ausgegangen werden, dass Österreichs Anteil am Werbekuchen sich daher weiter verkleinert.

Das muss aber nicht der Fall sein. Österreich kann hier gegensteuern, z.B. mit der gesetzlichen Einschränkung invasiver, verhaltensbezogener Werbung. Durch den Digital Markets Act werden das Sammeln und die Auswertung der Verhaltensdaten von Kindern bereits verboten. Dies könnte auf nationaler Ebene ausgeweitet werden.

Eine solche Einschränkung würde nicht nur für fairere Wettbewerbsbedingungen für österreichische Medien am Werbemarkt sorgen, sondern gleichzeitig den Schutz personenbezogener Daten fördern. In Verbindung mit der bestehenden Ablehnung der Chatkontrolle und im Einklang mit Max Schrems und seiner Organisation noyb könnte Österreich europaweit eine Vorreiterrolle übernehmen.

Für eine solche Vorreiterrolle braucht es politischen Mut für den potenziellen Konflikt mit globalen Technologiekonzernen. Für Politik, ORF und Medien könnte das aber ein erfolgsversprechender Schritt sein – und eine kooperative Alternative zum laufenden innerösterreichischen Kampf um die Stücke eines schrumpfenden Werbekuchens.

Foto von Towfiqu barbhuiya auf Unsplash

Infrastrukturambitionen

Ein lesenswerter Artikel über die Entwicklung von Amazon und das Geschäftsmodell des Unternehmens:

https://nymag.com/intelligencer/2023/01/why-does-it-feel-like-amazon-is-making-itself-worse.html

Personalisierungsschlussstrich

noyb.eu, die von Max Schrems gegründete und sehr unterstützenswerte Datenschutz-NGO, hat ein Tool gebastelt, mit dem man Facebook/Meta mitteilen kann, dass personenbezogene Daten nicht für Werbezwecke verwendet werden sollen:

https://meta-out.noyb.eu/

Exitfantasien

Ein lesenswerter Artikel über das Konzept des „Exits“, dessen Bedeutung für die Kultur im Silicon Valley und die Grenzen & Konsequenzen libertärer Ideologien.

Exit is not a benign withdrawal. It imposes costs on those left behind, and the freedom of Exiteers substantially depends on the unfree labor of others.

https://harpers.org/archive/2023/01/exit-technologists-libertarianism/

Privatbeteiligungen

Freakonomics hat in zwei Podcast-Episoden das Thema Private Equity aufgegriffen und eine, wie ich finde, sehr differenzierte Aufbereitung erstellt: über Produktivitätssteigerungen und die Vorteile von Konsolidierungen, die Gefahren der Monopolbildung und die Risiken von Leveraged Buyouts.

Hörenswert:

Teil 1: https://freakonomics.com/podcast/should-you-trust-private-equity-to-take-care-of-your-dog/

Teil 2: https://freakonomics.com/podcast/do-you-know-who-owns-your-vet/