Beiträge

Öffnungstendenzen

Zwei gute Nachrichten:

1️⃣Die Europäische Kommission will vermehrt auf die Kommerzialisierung von setzen: https://www.euractiv.com/news/commission-wants-to-commercialise-open-source-for-sovereignty/

2️⃣Österreich setzt ebenfalls vermehrt auf offene Alternativen – eine lesenswerte Zusammenfassung von Erich Möchel: https://www.golem.de/news/abschied-von-microsoft-und-vmware-oesterreichs-roadmap-zur-digitalen-souveraenitaet-2601-204331.html

Souveränitätswunschvorstellungen

Ich durfte beim Falter den folgenden Beitrag zu digitaler Souveränität veröffentlichen: https://www.falter.at/zeitung/20260107/wir-muessen-digitale-souveraenitaet-endlich-ernst-nehmen


Wir müssen digitale Souveränität endlich ernst nehmen

Wenn IT-Systeme ausfallen, Preise digitaler Services erhöht werden oder Staaten Einfluss auf Technologie-Konzerne nehmen, dann läuten in Europa die digitalpolitischen Alarmglocken. Immer mehr Menschenverstehen, dass einseitige Abhängigkeiten in der Digitalisierung ein Problem sind. Ende November gab es zur digitalen Souveränität einen eigenen Gipfel in Berlin. Europa brauche mehr digitale Gestaltungsmöglichkeiten, die Bedeutung freier und offener Software wurde unterstrichen.

Auch Österreich brachte sich ein und auch hierzulande gibt es entsprechende Entwicklungen. So nutzen z.B. einzelne Ministerien freie Software für Bürotätigkeiten oder als Kollaborations-Plattform. Beinahe unbemerkt haben sich in Österreich auch IT-Player mit europäischer Strahlkraft entwickelt, z.B. bei Cloud-Lösungen oder im Bereich der Virtualisierung. Open Source Software und Hardware werden häufig mit österreichischer Unterstützung entwickelt.

Open Source? Das ist doch ein Thema für die Nerds? Und München ist ja mit Linux gescheitert, oder? Leider sitzen solche Vorstellungen tief in den Köpfen so mancher Entscheidungsträger. Gleichzeitig wird das wirtschaftliche Potenzial offener Softwareentwicklung von EU-Kommission, Branchenvertretungen und Unternehmen längst gesehen. Open Source Software wird z.B. im Maschinenbau eingesetzt, wo die am Weltmarkt gefragte Kernkompetenz durch offene Software ergänzt und verstärkt wird. Für Österreich ergeben sich dadurch große Chancen.

Möglichkeiten für Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft

Digitale Souveränität bzw. Open Source als wirtschaftliches Standbein Österreichs – was ist dafür notwendig? Es braucht einen gesamtheitlichen Zugang und eine engere Verzahnung der unterschiedlichen Aktivitäten im Land.

Offene und alternative Software ist für die öffentliche Hand zunehmend interessant, einerseits um langfristig plattformunabhängig digitale Services anbieten zu können, andererseits aufgrund der budgetären Realität – hohe monatliche Lizenzzahlungen kosten Geld. Um das eigene Personal nicht zu überfordern, braucht es Schulungen und Ausbildungsangebote – z.B. für Gemeinden, Krankenhäuser & Co. Mitstreiter lassen sich auf allen Ebenen finden: das Land Dänemark, das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein oder die französische Stadt Lyon steigen gerade auf quelloffene Systeme um. Der Umgang mit Open Source Software muss außerdem in Schulen vermittelt und in den Unterricht integriert werden. Initiativen dazu existieren, sie brauchen Unterstützung und eine institutionelle Verankerung.

Unternehmen und Betriebe entwickeln und nutzen digitale Produkte. Für vermehrte gemeinsame Entwicklung souveräner Software oder Hardware braucht es z.B. Klarstellungen rund um das Kartellrecht. Auch für die Nutzung offener Angebote können Anreize gesetzt werden. Wollen Firmen in digitalsouveräne Lösungen investieren, dann sind die Anschaffungskosten meist höher als der kurzfristige Bezug dominanter Services: kompetentes Personal, eigene Hardware oder Verträge mit lokalen Dienstleistern kosten Geld. Gerade für KMU ist die Liquidität essenziell, günstige Kredite für Investitionen in digitale Souveränität könnten budgetneutral Abhilfe schaffen.

Auch die Wissenschaft spielt bei der Umsetzung digitaler Souveränität eine wichtige Rolle. Die Anbindung der angewandten Forschung an bestehende Open Source Projekte könnte erleichtert werden. Das würde die Wirkung von Forschungsmitteln verbessern und die in Österreich gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Dabei könnte Österreich z.B. von den Erfahrungen des deutschen Sovereign Tech Fund profitieren.

Digitale Souveränität und Open Source als Standortfaktor

Zu digitaler Souveränität gibt es in Österreich positive Entwicklungen und Stärkefelder: das birgt großes wirtschaftliches Potenzial. Neutralität, Diplomatie und wirtschaftliche Kooperation beherrscht Österreich in der analogen Welt. Diese Stärken könnte man auch digital ausspielen und sich als Standort positionieren.

Die Welt ist im Wandel, insbesondere die digitale. Europa ist sich seiner Abhängigkeiten zunehmend bewusst und investiert, um gegenzusteuern. Wenn Österreich davon profitieren will, dann müssen wir digitale Souveränität jetzt endlich ernst nehmen.

Sözialmedien

Immerhin einmal haben es Ruth und ich heuer doch noch geschafft, eine Podcast-Folge aufzunehmen 🎙 – zu österreichischer Social Media Geschichte: diesmal geht’s um ameisen.cc, was das war und was daraus wurde 😊

Anzuhören auf Apple Podcasts, Spotify, überall anders und auf unserer Webseite:
https://erinnerungsluecken.at/2025/12/14/folge-34-was-wurde-aus-ameisen-cc/

Digitalisierungssupport

Schon seit einiger Zeit bin ich für die Stadt Schwechat als „Digi-Dolmetscher“ tätig. Ein kleiner Erfahrungsbericht dazu ist jetzt online zu finden: https://www.digitalaustria.gv.at/kompetenzen/best-practices/spotlights/aus-der-praxis-eines-digi-dolmetschers.html

Innenstadtbelebungsgedanken

Der Leerstand in österreichischen Innenstädten breitet sich Jahr für Jahr weiter aus. Im Diskurs fehlen oft Vorschläge, was Ortschaften konkret unternehmen können, um gegenzusteuern. Dabei schaffen die Digitalisierung und sich verändernde Lebensrealitäten auch Chancen. Einige Überlegungen dazu habe ich in einem Kommentar in der gestrigen Die Presse veröffentlicht. Online hier zu finden:

Digitale Schulentwicklung

An einem Wiener Bundesgymnasium (GRG 1 Stubenbastei) wird „KI und Digitaler Humanismus“ seit kurzem als Wahlpflichtfach angeboten. Im Fach orientiert man sich an einem Lehrbuch, das als Kooperation zwischen dem Gymnasium und der TU Wien erstellt wurde. Den Schülerinnen und Schülern gefällt’s (2. Hälfte im verlinkten Audiobeitrag), manche wollen auch darin maturieren. Eine coole Initiative:

https://oe1.orf.at/programm/20251107/813193/Von-Katzenbildern-zu-KI-Trainingsdaten

Transparenzbedingte Mehrkosten

Durch das wichtige Informationsfreiheitsgesetz hat das österreichische Forum Informationsfreiheit jetzt viel mehr zu tun. Mehr Anfragen, Hilfe dabei, Anleitungen: das kostet Geld. Hier kann man Forum finanziell unterstützen: https://fragdenstaat.at/spenden/

Wirtschaftsverwaltungsöffnung

Im österreichischen Wirtschaftsministerium (BMWET) wurde in den letzten Monaten Nextcloud als Open Source Lösung im Cloud-Bereich ausgerollt. Ein wichtiger Schritt in Richtung digitale Souveränität:

https://nextcloud.com/de/blog/press_releases/oesterreichisches-wirtschaftsministerium-geht-entschlossene-schritte-in-richtung-digitaler-souveraenitaet/

Zeitungleseempfehlung

Der gerade noch aktuelle Falter beinhaltet u.a. eine Pro/Contra-Debatte zum Kopftuchverbot für Kinder, kritische Bewertungen der Wiener Kindergartenpflicht und des geplanten EU-weiten Verbrenner-Verbots und eine Aufarbeitung der eigenen Glattauer-Berichterstattung inklusive negativen Rückmeldungen.

Lesenswerter, kritischer Journalismus: