Souveränitätserkenntnisse

Die Diskussion zu digitaler Souveränität nimmt seit Monaten an Fahrt auf. Beim OpenForum Europe hat man sich die Vorgehensweise Dänemarks näher angesehen: https://openforumeurope.org/open-technologies-public-procurement-and-economic-impact-lessons-from-denmark-for-europes-next-digital-laws/

Drei Erkenntnisse:

1️⃣ Die öffentliche Beschaffung ist dort ein zentraler Hebel. Durch sie entsteht eine stabile Nachfrage für souveräne IT-Lösungen und dadurch Investitons-/Planungssicherheit für Unternehmen. Die wiederum generiert regionale Wertschöpfung.

2️⃣ Die geänderte Kostenstruktur wird proaktiv adressiert. Bei der Verwendung von Open Source Software zahlt man weniger für Lizenzen. Stattdessen investiert man in Knowhow-Aufbau oder Wartungsverträge und Adaptierung von Software.

3️⃣ Bei digitaler Souveränität geht es nicht um die Software-Vorlieben einzelner Personen oder Institutionen. Vielmehr geht es um ein Abwiegen von Risiken. Dabei können Open Source Program Offices (OSPOs) als zentrale Stellen für Koordination und Komplexitätsabbau helfen.

Hypebegleiterscheiungen

Der KI-Kritiker Ed Zitron hat die CES besucht. In einem Artikel dazu beschreibt er treffend zwei Probleme im Tech-Sektor: die zu geringe Anzahl kritischer Stimmen (Technologie-Journalismus) und den häufig zu engen Fokus von Venture Capital:

https://www.wheresyoured.at/dot-com-bubble/

Wissenszugangspriorisierung

Copyright und verwendbare Trainingsdaten begleiten die KI-Diskussion spätestens seit ChatGPT. Mit der Frage dahinter – wie regeln wir den Zugang zu Wissen? – beschäftigt sich Bruce Schneier in einem sehr lesenswerten Essay:

https://www.schneier.com/blog/archives/2026/01/ai-and-the-corporate-capture-of-knowledge.html

Eine Kernaussage: in demokratischen Gesellschaften müssen wir darauf achten, dass Wissen abseits proprietärer Algorithmen zugänglich bleibt bzw. wird.

Ein Auszug:A society cannot meaningfully debate policy, science or justice if information is locked away behind paywalls or controlled by proprietary algorithms. If we allow AI companies to profit from mass appropriation while claiming immunity, we are choosing a future in which access to knowledge is governed by corporate power rather than democratic values.

dobusch: do-DiDay!

Leonhard Dobusch (u.a. ORF Stiftungsrat) hat ein sehenswertes Video zum „Digital Independence Day“ gemacht, in dem er erklärt, was es mit dem Begriff „Enshittification“ auf sich hat, warum der Status quo digitaler Plattformen problematisch ist und was man tun kann & sollte, um gegenzusteuern:

https://www.moment.at/story/enshittification-diday/

Offenheitsdefault

Deutschland will ab 2027 das „Open Document Format“ (ODF) als technischen Standard für Dokumente verwenden. Defaults/Standards sind wesentlich für Verhaltensänderungen, wissen Richard Thaler und die Verhaltensökonomie.

Daher ein wichtiger Schritt für Interoperabilität und Offenheit in der Verwaltung 👇

https://interoperable-europe.ec.europa.eu/collection/open-source-observatory-osor/news/germany-aims-standardise-odf-2027

Geschichts- und Technologiebewusstsein

Eigentlich könnte ich jede Episode von „Geschichten aus der Geschichte“ hier teilen, sie sind alle empfehlenswert. Aber die aktuelle Folge ist nochmal speziell: sie startet mit einem Mini-Plädoyer von Richard für die technische Offenheit des Podcast-Ökosystems und für RSS.

Somit doppelt hörenswert: https://www.geschichte.fm/archiv/gag540/

Lithografiepolitik

Laut Reuters arbeitet China intensiv und unter strikter Geheimhaltung an der Entwicklung von Lithografie-Maschinen und damit an Konkurrenz zum europäischen Weltmarktführer ASML. Ehemaliges Personal wird rektrutiert, gebrauchte Bauteile von Zulieferern, z.B. von Zeiss, zusammengekauft und via Reverse Engineering werden Maschinen zerlegt und wieder aufgebaut.

Marcel Weiß ordnet die Vorgehensweise lesenswert ein: https://neunetz.com/briefing-276-die-asml-zeitbombe/

Solche Aktivitäten zeigen eindrucksvoll die Relevanz europäischer Produktion und Industriepolitik.

Honscast

Der Petutschnig Hons hat seit einiger Zeit einen wöchentlichen Podast. Sein Blick auf die News der Woche, inkl. Landleben, Innenpolitik und Sport. Ich finde seine Perspektive wichtig: er greift – im Dialekt – viele Themen auf, die außerhalb größerer Städte anders wahrgenommen werden und macht das, ohne dabei ins permanente Schimpfen und wir-gegen-die zu verfallen.

Eine Hörempfehlung gegen die Filterblase:

https://petutschnighons.podigee.io/

Entwicklungsperspektive

Ein lesenswerter Text des französischen Bloggers Ploum über die Bedeutung Europas in der Entwicklung von Open Source Projekten – und darüber, warum es auch sinnvoll ist, Erfolg nicht nur in finanzieller Hinsicht zu messen: https://ploum.net/2026-01-22-why-no-european-google.html

Ost-West-Entwicklungen

Dan Wang ist ein kanadischer Intellektueller, der sich mit Innovation in China und den USA beschäftigt. Am Beginn jedes Jahres schreibt er (zumeist) einen „Annual Letter“, in dem er auf aktuelle Entwicklungen eingeht. Auch heuer wieder sehr lesenswert: https://danwang.co/2025-letter/

Besonders interessant aus meiner Sicht: industrielle Ökosysteme mit dem entsprechenden Prozesswissen sieht er als Kern der chinesischen Wirtschaftsmacht.

Nur für Europas Zukunft ist er mir etwas zu pessimistisch.