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Protokollpersistenz

Unter den ganzen Plattformen und shiny apps liegen die Protokolle, die das Internet ermöglichen. Ein lesenswerter Text zu RSS, SMTP & Co. und zu deren Persistenz:

https://www.terrygodier.com/the-boring-internet

China-Charakteristika

Der amerikanische Autor und Antitrust-Experte Matt Stoller hat eine lesenswerte Analyse zur chinesischen Technologiepolitik verfasst: https://www.thebignewsletter.com/p/the-efficiency-moat-why-china-is

Meine Takeaways kurz zusammengefasst:

  • China versucht, ein globales Monopol auf die Produktion physischer Güter aufzubauen, insbesondere im High Tech Bereich.
  • Der Fokus liegt nicht auf finanzieller Optimierung, sondern auf Prozessverbesserung, Wettbewerb und Investitionen. Der Schutz von geistigem Eigentum wird aktuell der Verbreitung von Wissen untergeordnet.
  • Rund um KI fehlt China der Zugang zur besten Hardware, daher arbeiten chinesische AI-Labs an permanenter Effizienzsteigerung – das führt dazu, dass chinesische Modelle im Performancevergleich mit den USA nur 3-6 Monate zurückliegen.

Den letzten Punkt hat der deutsche Technologieanalyst Philipp Klöckner auch heuer in seinem sehenswerten Talk beim OMR Festival angesprochen: chinesische KI-Modelle werden immer besser: https://www.youtube.com/watch?v=YNavwk7qk24

Für europäische Unternehmen heißt das, dass eigene Daten und firmenspezifisches Spezialwissen an Bedeutung gewinnen. In der produzierenden Industrie gibt es davon sehr viel: dieses Knowhow gilt es zu halten und auszubauen.
Den erfolgreichen Weg zwischen KI-Dominanz (im Westen) und Produktions-Dominanz im Osten zu finden, ist eine zentrale Herausforderung für die österreichische/europäische Wirtschaft.

Breitbandmarktdesign

Ein lesenswerter Artikel über die Ausgestaltung des Breitbandausbaus in den USA, in Deutschland und in der Schweiz: der „freie Markt“ wird überall promotet, die Ergebnisse variieren immens.

Meinem Verständnis nach orientiert sich Österreich am ehesten an Deutschland:

https://stefan.schueller.net/posts/the-free-market-lie

Medienmargenmarginalisierung

Der Standard führt neue Online-Abos ein und beschränkt die kostenlosen Inhalte und Funktionen der Webseite. Die Aufregung ist ob der zentralen Rolle des Standard-Forums im österreichischen Online-Diskurs entsprechend groß: https://www.derstandard.at/story/3000000320010/der-standard-baut-digitales-abo-angebot-aus

Gleichzeitig hat Standard-Journalist Harald Fidler seinen Werbeindex aktualisiert. Das Werbevolumen auf digitalen Plattformen wächst, Werbeausgaben für klassische Medien stagnieren bzw. schrumpfen: https://www.diemedien.at/articles/articles-diemedien-werbeindex-osterreich-werbung-bei-digitalkonzernen-weit-vor-medien

Diese Entwicklung hat z.B. Martin Andree in seinem Buch „Big Tech muss weg!“ 2023 vorhergesagt: digitale Plattformen zerstören immer mehr die Finanzierungsgrundlage für Journalismus. Politische Gegenmaßnahmen sind notwendig.

Erwartungsmanagement

Eine Bitkom-Umfrage ergibt, dass 99% der Deutschen es für wichtig halten, dass das Land digital unabhängiger wird: https://www.heise.de/news/99-Prozent-wollen-digitale-Unabhaengigkeit-6-Prozent-nutzen-KI-aus-EU-11252308.html

In Frankreich müssen bis zum Herbst Ministerien & Behörden Pläne zum Umstieg auf Linux vorlegen: https://www.derstandard.at/story/3000000316292/adieu-windows-frankreich-beschliesst-plan-hin-zur-digitalen-souveraenitaet

People often overestimate what will happen in the next two years and underestimate what will happen in ten.“ – ein Zitat von Bill Gates, 1996.

Souveränitätsrundfunk

Eine hörenswerte Sendung von Ö1 Matrix zu digitaler Souveränität. Einerseits wird der Stand der Dinge in Schleswig-Holstein und in Österreich analysiert. Andererseits wird gezeigt, dass rund um OSOS Austria Open Source auch an österreichischen Schulen umgesetzt wird:

https://oe1.orf.at/programm/20260410/828785/Digitale-Souveraenitaet

Jethack

Je akuter die technologische Abhängigkeit, desto attraktiver wird Reverse Engineering.

Ein lesenswerter Artikel zu einer Aussage des holländischen Verteidigungsministers zum potenziellen Jailbreaking eines F-35-Jets und zu den ggf. dadurch entstehenden Konsequenzen: https://www.twz.com/air/f-35-software-could-be-jailbreaked-like-an-iphone-dutch-defense-minister

via Bruce Schneier

Halbleiterleiden

Ein hörenswerter Podcast zur globalen Halbleiter-Produktion: https://www.neverpo.st/news-post-on-the-impending-silicon-goods-shortage/

Zusammenfassung: Bei der Beschaffung von Hableitern konkurrieren Konsolenhersteller mit der Automobilindustrie, und der Bau von Rechenzentren für AI dominiert derzeit alles. Zu wenig Wettbewerb und Resilienz in der Lieferkette verursachen derzeit & demnächst große Angebots- und daher Preisschwankungen.

Digitalkonsumentenschutz

Enshittification“ beschreibt die Verschlechterung digitaler Services. Der norwegische Konsumentenschutz, Forbrukerrådet (Pendant zum österreichischen Verein für Konsumenteninformation VKI), hat das Thema kürzlich aufgegriffen und einerseits ein sehr unterhaltsames & sehenswertes Video dazu erstellt: https://vimeo.com/1168468796 – andererseits haben sie auch einen 100 Seiten starken Bericht, „Breaking Free“, veröffentlicht: https://www.forbrukerradet.no/breakingfree

Der Bericht ist lesenswert, vor allem wegen der zahlreichen Beispiele: IT-Unternehmen, Kundendienst, Automobilbranche, Computerspiele, Smart Home, Drucker, Dating Apps… die Liste ist lang und konkret. Der Bericht liest sich als eine Abrechnung des Konsumentenschutzes mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Unehrlichkeit vieler Angebote ist den Autor:innen ein Dorn im Auge.
Die beschriebenen Gegenmaßnahmen: technische Interoperabilität, die Förderung von Alternativen (insbesondere Open Source Software und insbesondere über die öffentliche Beschaffung), starke Wettbewerbsbehörden (in Österreich die Bundeswettbewerbsbehörde BWB) mit entsprechenden Antitrust-Maßnahmen und die Rechtsdurchsetzung, vor allem auf EU-Ebene, z.B. rund um den Digital Markets Act. Es braucht also ein ganzes Puzzle an Maßnahmen und viele „kleine“ Schritte, um Digitalisierung & Internet (wieder) zu verbessern.

Die Perspektive des Konsumentenschutzes ist eine zentrale. Gleichzeitig steckt in einem besseren Internet auch viel wirtschaftliches Potenzial. Wie das aussehen und volkswirtschaftlich genutzt werden könnte, skizziert Cory Doctorow, Erfinder des Worts „Enshittification“, in einem ebenfalls lesenswerten Artikel am Beispiel Kanada. Die beschriebene Vorgehensweise kann genauso eine Inspiration für Europa sein: https://pluralistic.net/2026/01/12/disenshittification-nation-2/

via Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

KI: Konsequenzen immanent

Der xkcd-Comic zum Internet Stack (Bild unten; Quelle: https://xkcd.com/2347/) verdeutlicht seit Jahren die Situation vieler Open Source Projekte. Künstliche Intelligenz scheint nun die Fragilität der verschiedenen Projekte weiter zu erhöhen:

▶️ Einerseits steigt durch „AI Slop“ und durch auf Bug Bounties ausgerichtete Agents die Belastung für bestehende Projekte, mit der Konsequenz, dass es potenziell weniger Anreize gibt, echte Security-Probleme zu identifizieren – zu sehen z.B. bei Log4j, nachzulesen u.a. hier: https://www.derstandard.at/story/3000000310498/open-source-projekt-klagt-ueber-massive-belastung-durch-ki-muell

▶️ Andererseits führen Vibe Coding und die KI-gestützte Beantwortung von Fragen zur Dokumentation potenziell zu Schwierigkeiten beim Geschäftsmodell vieler Softwareprojekte, da Anwender:innen mit Entwickler:innen weniger direkt interagieren – zu sehen z.B. bei Tailwind CSS, nachzulesen u.a. hier: https://www.leitmedium.de/2026/01/09/das-drohende-ende-von-opensource-projekten-durch-llms-am-beispiel-von-tailwind/

Für die Weiterentwicklung von Open Source Software, die u.a. auch im Produktionskontext zum Einsatz kommt, kann das ein echtes Problem werden.

Falls jemand schon Beispiele mit direktem Industriebezug kennt, freue ich mich über eine Info!