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Szenendiskussion

Die ganze Woche schon wird auf Social Media der Einstieg von Peter Steinberger (OpenClaw) bei OpenAI heiß diskutiert. In den meisten Fällen dominiert die Einseitigkeit („Unternehmer werden in Europa mit Füßen getreten„, „Wieder ein Startup Bro, dem Sicherheit egal ist„, etc.). Eine nicht einseitige und hörenswerte Einordnung machen dafür Jakob Steinschaden und Clemens Wasner in ihrem „AI Talk“: https://www.trendingtopics.eu/steinberger-kontroverse/

Too long; didn’t listen:

  • Beim Fall Steinberger geht es weniger um Startups als um Open Source Softwareentwicklung; der Abgesang auf Europa durch seinen Jobwechsel ist fehl am Platz.
  • Das ORF-Interview bei Armin Wolf war kritisch und das ist auch die Aufgabe der Zeit im Bild; gleichzeitig gibt es in Österreich ein Problem zu Technologiebildung.
  • Österreich und Europa sind im Open Source Bereich gut aufgestellt; die Unterstützung für Unternehmen und Geschäftsmodelle ist aber zu gering, häufig bleiben nur Lippenbekenntnisse.

Ergänzung von meiner Seite: im politischen Diskurs steht bei Open Source meistens die öffentlichen Verwaltung im Mittelpunkt. Das ist schon wichtig, aber der potenzielle wirtschaftliche Hebel und die Wertschöpfung durch entsprechende Geschäftsmodelle sind mindestens so relevant. Unser Zugang dazu muss sich ändern, denn gerade im Umfeld der Produktion („Rückgrat der Wirtschaft“, „Hidden Champions“ usw.) gäbe es hier sehr viele Möglichkeiten.

Chatsouveränität

Langsam, aber stetig, nutzen immer mehr Organisationen und öffentliche Einrichtungen das offene Matrix-Protokoll (u.a. Messenger Element) für souveränes Instant Messaging: https://www.theregister.com/2026/02/09/matrix_element_secure_chat/

Im Artikel wird auch erwähnt, dass „das österreichische Gesundheitssystem“ Matrix nutzen würde. Falls jemand dazu etwas weiß, freue ich mich über ein Info!

Internetzukunftsfragen

Cory Doctorow („Enshittification“) und Tim Wu („The Age of Extraction“) haben kürzlich zwei prägende Bücher zur Gegenwart und Zukunft des Internets veröffentlicht. In einem hörenswerten Interview mit Ezra Klein erklären sie die Konzepte dahinter:

https://www.nytimes.com/2026/02/06/opinion/ezra-klein-podcast-doctorow-wu.html

Souveränitätsgedanken

Bei PULS 4 wurde in der Sendung „Breaking Media“ die digitale Souveränität Österreichs besprochen. Dazu war Staatssekretär Alexander Pröll als Gast in der Sendung (ab 15:50 min) – ich durfte einen EInspieler beisteuern (18:50 min):

https://www.joyn.at/play/serien/breaking-media-machtmedienkompetenz/1-2-breaking-media-mutprobe-journalismus

Wolkenbruch

Nextcloud, eines der führenden Open Source Unternehmen Europas und in Österreich u.a. im Wirtschaftsministerium im Einsatz, über notwendige Schritte für mehr digitaler Souveränität in Europa und den EuroStack:

https://nextcloud.com/blog/digital-sovereignty-in-europe-what-still-lies-ahead/

Souveränitätserkenntnisse

Die Diskussion zu digitaler Souveränität nimmt seit Monaten an Fahrt auf. Beim OpenForum Europe hat man sich die Vorgehensweise Dänemarks näher angesehen: https://openforumeurope.org/open-technologies-public-procurement-and-economic-impact-lessons-from-denmark-for-europes-next-digital-laws/

Drei Erkenntnisse:

1️⃣ Die öffentliche Beschaffung ist dort ein zentraler Hebel. Durch sie entsteht eine stabile Nachfrage für souveräne IT-Lösungen und dadurch Investitons-/Planungssicherheit für Unternehmen. Die wiederum generiert regionale Wertschöpfung.

2️⃣ Die geänderte Kostenstruktur wird proaktiv adressiert. Bei der Verwendung von Open Source Software zahlt man weniger für Lizenzen. Stattdessen investiert man in Knowhow-Aufbau oder Wartungsverträge und Adaptierung von Software.

3️⃣ Bei digitaler Souveränität geht es nicht um die Software-Vorlieben einzelner Personen oder Institutionen. Vielmehr geht es um ein Abwiegen von Risiken. Dabei können Open Source Program Offices (OSPOs) als zentrale Stellen für Koordination und Komplexitätsabbau helfen.

Hypebegleiterscheiungen

Der KI-Kritiker Ed Zitron hat die CES besucht. In einem Artikel dazu beschreibt er treffend zwei Probleme im Tech-Sektor: die zu geringe Anzahl kritischer Stimmen (Technologie-Journalismus) und den häufig zu engen Fokus von Venture Capital:

https://www.wheresyoured.at/dot-com-bubble/

dobusch: do-DiDay!

Leonhard Dobusch (u.a. ORF Stiftungsrat) hat ein sehenswertes Video zum „Digital Independence Day“ gemacht, in dem er erklärt, was es mit dem Begriff „Enshittification“ auf sich hat, warum der Status quo digitaler Plattformen problematisch ist und was man tun kann & sollte, um gegenzusteuern:

https://www.moment.at/story/enshittification-diday/

Lithografiepolitik

Laut Reuters arbeitet China intensiv und unter strikter Geheimhaltung an der Entwicklung von Lithografie-Maschinen und damit an Konkurrenz zum europäischen Weltmarktführer ASML. Ehemaliges Personal wird rektrutiert, gebrauchte Bauteile von Zulieferern, z.B. von Zeiss, zusammengekauft und via Reverse Engineering werden Maschinen zerlegt und wieder aufgebaut.

Marcel Weiß ordnet die Vorgehensweise lesenswert ein: https://neunetz.com/briefing-276-die-asml-zeitbombe/

Solche Aktivitäten zeigen eindrucksvoll die Relevanz europäischer Produktion und Industriepolitik.